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Steiermark Radmobil

Feinstaub vs. Fahrrad

Autorin: Christina Harrich

In Graz ist die Feinstaubbelastung ein gravierendes Problem. Laut einer Externe Verknüpfung Statistik des Umweltbundesamtes werden in keiner anderen österreichischen Stadt die Grenzwerte so häufig überschritten wie in Graz. Radwege sind zum Großteil neben der Straße angelegt, die RadfahrerInnen sind also direkt von den Emissionen betroffen. Nun stellt sich die Frage, ob das Radfahren in Graz überhaupt noch gesund ist?

Dr. Horst Olschewski beantwortete diese und andere Fragen rund um das Thema Radfahren in einem Interview. Der Feinstaubexperte ist an der Universitätsklinik für Innere Medizin in der Abteilung für Lungenheilkunde tätig.

Radmobil: Radfahren hat einen positiven Effekt auf das Herz-Kreislaufsystem und regt den Stoffwechsel an. Allerdings weist Graz auch eine sehr hohe Feinstaubbelastung auf, was Radfahrer direkt zu spüren bekommen. Überwiegen die positiven oder negativen Auswirkungen auf den Körper? Ist Radfahren in Graz trotz des Feinstaubs gesund?

Olschewski: Die Feinstaubbelastung in Graz ist vergleichbar zu Wien, Innsbruck und Salzburg. In all diesen Städten gibt es, vor allem in der kalten Jahreszeit, wiederholt Tage mit einer Feinstaubbelastung über 50 µg/m³. Die Überschreitungen sind allerdings meistens nicht stark. Sehr selten kommen z.B. Werte über 100 µg/m³ vor. Das ist zwar nicht zufriedenstellend, aber weitaus besser als etwa vor 50 Jahren, wo es häufig regelrechten Smog gab und die Sonne den ganzen Winter nicht zu sehen war. Die Feinstaubmessstellen geben ihre Messwerte regelmäßig bekannt (hier abrufbar). Auch an Tagen mit Werten über 50µg/m³ ist es besser, draußen zu sein, als drinnen zu bleiben. Die Feinstaubwerte in Innenräumen sind in aller Regel deutlich höher, in einem Haus, in dem geraucht wird, liegen sie meist über 300µg/m³. Aktivität auf dem Rad trägt zur Gesundheit bei, abgesehen von dem Unfallrisiko. Ich halte Feinstaubkonzentrationen bis 100µg/m³ für bedenkenlos hinsichtlich Aktivität unter freiem Himmel, sofern diese Konzentrationen nicht dauerhaft herrschen, sondern nur einzelne Tage betreffen. Rauchen ist die massivste Feinstaubbelastung des Menschen!!! Das gilt für aktives, aber auch für passives Rauchen. Passivrauch ist besonders schädlich für Kinder. Das beginnt bereits im Mutterleib.

Radmobil: Würde ein Mundschutz beim Radfahren die Anzahl der Feinstaubpartikel verringern, die in die Lunge gelangen?

Olschewski: Das ist leider keine effektive Maßnahme. Nur die gröberen Partikel lassen sich so herausfiltern. Effektive Filter sind leider nicht praktikabel.

Radmobil: Kann man sich als RadfahrerIn durch andere Maßnahmen vor dem Feinstaub schützen?

Olschewski: Es hilft, wenn man als Radfahrender stark befahrene Straßen meidet. Bereits ein Abstand von 20 Metern macht einen Unterschied.

Radmobil: Herr Olschewski, Dankeschön für das Interview.

Wir halten also fest: Der Feinstaub in Graz kommt nicht gegen die gesundheitlichen Vorteile des Radfahrens an.

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