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Steiermark Radmobil

Der Alltag bei Velofood

Von Daphne Brandstätter

Oft reicht ein kurzer Spaziergang durch die Grazer Innenstadt, um zumindest einen Radlieferanten zu entdecken. Egal zu welcher Jahreszeit, egal bei welchem Wetter. Ich habe mich gefragt, wie es wohl sein mag, als Fahrradbote zu arbeiten. Um dieser Sache auf den Grund zu gehen, traf ich mich im Velofood Lager mit Flo Jauk, der mir Einblicke in seinen bewegten Arbeitsalltag gab.

Wie der Name schon sagt, verbindet Velofood Fahrrad und nachhaltiges Essen miteinander. Das Unternehmen spricht sich fürs Radfahren aus, weil es Spaß macht, schnell, gesund, umweltfreundlich, geldsparend, platzsparend und flexibel ist. Das findet auch der Student Flo Jauk, der neben seinem Studium seit Dezember 2018 als Bote bei dem Radlieferservice beschäftigt ist. Rund 70 aktive MitarbeiterInnen beschäftigt das kleine regionale Grazer Unternehmen, das voll im Zeichen der Nachhaltigkeit steht, derzeit. Dies beweist nicht nur der Transport mit dem Rad, sondern auch die plastikfreie Verpackung.

Am besten gefalle Flo an seinem Nebenjob an der frischen Luft zu sein, sich ein Fitness-Abo sparen und sein Hobby mit Arbeit verbinden zu können sowie das sympathische Velofood-Team, das ein angenehmes Arbeitsklima schafft. Als selbstständiger Bote ist er, wie seine KollegInnen, selbst für die Einteilung seiner Dienstzeiten verantwortlich. Die Frage, ob es dann nicht irgendwann zu Engpässen käme, weil zu wenig Boten unterwegs sind, verneint Flo klar. Es seien immer genügend Lieferboten unterwegs, weil die Leute motiviert seien und arbeiten wollen.

Die vertrauensbasierte interne Kommunikation und der gute Zusammenhalt im Team spiele laut Flo eine große Rolle im Erfolgsrezept von Velofood. Kommuniziert wird unter anderem über eine firmeninterne App, die während der Dienstzeit immer aktiv ist. Als Fahrer ist man so mit dem Office Team in Kontakt, das Verwaltungsaufgaben übernimmt. Was ebenso zum Erfolgsrezept von Velofood zählt, ist für Flo die gute Auswahl an Restaurants. Hier zählt vor allem Qualität und das Verfolgen einer nachhaltigen Firmenphilosophie. Manchmal ist die Restaurantauswahl auch sehr persönlich, wenn die Boten privat ein Restaurant austesten und es für Velofood in Frage kommt.

„Es ist echt lustig, aber es ist nicht wenig Arbeit."

Die flexiblen Arbeitszeiten lassen sich gut mit dem Studium vereinbaren. In der Regel arbeitet Flo an zwei Tagen in der Woche. Er wählt meist 3h-Schichten, die teilweise an die Substanz gehen können, weil ständig Bestellungen aufgegeben werden. Sonntags ist besonders viel los. Einmal wurden an einem Sonntag sogar 450 Bestellungen geliefert.

Die längste Strecke, die ein Bote am Stück zurücklegen muss, ist 4km lang. Durchschnittlich schafft Flo drei Bestellungen in der Stunde und legt vorsichtig geschätzt 40km während eines Dienstes zurück. 5 Minuten vor einer fertigen Bestellung ist Flo bereits im Restaurant. Da könne er kurz verschnaufen. Sonst macht er keine längeren Pausen. Es sei quasi die Zeit, die ihm selbst davonlaufe. Die Dienste sind zwar nach Zeit geregelt, bezahlt wird bei Velofood aber nach Anzahl der Bestellungen. Daher will jeder Bote so viele Bestellungen wie möglich machen. Dieses System findet Flo gut, weil es ihn anstachle, mehr zu machen.

Als Velofoodbote muss man ein Multitasking-Talent sein. Neben guter Kommunikationsfähigkeit, auch während des Radfahrens, benötigt man einen guten Orientierungssinn und gutes Zeitmanagement. Wenn Flo ein Restaurant nicht kennt, nimmt er sich lieber ein wenig mehr Zeit, um den Weg mit Hilfe von Google Maps zu finden. So muss er nicht ewig lang herumsuchen. Mit dieser Taktik war Flo bisher immer pünktlich und hatte dahingehend nie Probleme mit Kunden.

Wenn er eine Sache nennen müsste, die er an seiner Arbeit zu kritisieren hätte, dann ist das für Flo das Trinkgeld bzw. das fehlende Trinkgeld. Da bei Velofood vorab online bezahlt wird und eine Liefergebühr im Preis inkludiert ist, gehen die Kunden davon aus, dass Trinkgeld schon mit einberechnet ist. Dem ist aber nicht so. So kommt es in einem 3h-Dienst oft nur ein Mal vor, dass Flo Trinkgeld bekommt.

Wie gefährlich ist eigentlich der Beruf als Radlieferbote? Flo meint, es sei für ihn kein großer Unterschied zum Alltagsradfahren. Die gleichen Gefahren betreffen ihn. Nur müsse man sich anfangs an den großen Lieferrucksack gewöhnen. Aber Flo hat das Gefühl, dass Autofahrer mehr Acht geben würden, wenn er beruflich am Rad unterwegs ist. Vorsichtig sein, muss er trotzdem. Nicht nur bei Autos, sondern auch bei Straßenbahnschienen und Schlechtwetterverhältnissen.

„Der Winter macht die Arbeit nicht leichter."

Der richtige Schutz vor Kälte ist das A und O. Flo setzt daher auf dicke Handschuhe, bei Minusgraden sogar auf Schihandschuhe. Die Hände und Finger zu wärmen, ist für ihn das wichtigste, weil er sonst sein Handy nicht bedienen kann. Dies sei aber essentiell für die Kommunikation. Ein externer Akku für das Handy sei auch immer dabei. Google Maps und die Kommunikations-App sind schließlich durchgehend aktiviert. Ansonsten sind eine Haube, dicke Schuhe und Socken sowie eine warmhaltende Jacke, die die Bewegung nicht einschränkt die Essentials eines Radlieferboten im Winter. Bei extremer Kälte scheue Flo auch nicht vor Schiunterwäsche zurück. Bisher ist Flo bei jedem Wetter gefahren. Bei Extremverhältnissen schließt Velofood aber auch, bis die Straßen wieder befahrbar sind, spontan zu. Dies ist der Fall bei Starkregen/-schneefall oder Hagel.

Quellen:

Velofood: Externe Verknüpfung velofood.at

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