Folge 2: Ein Mann mit hundert Rädern

Der große Jahresrück- und ausblick. Grazer Radhändler berichten.

Die Radlerei © Wolfgang Kühnelt / radmobil
Die Radlerei
© Wolfgang Kühnelt / radmobil

Vom Grätzel rund um die Karl-Franzens-Uni radeln wir zur TU. Dort in der Kopernikusgasse 27 hat David Bernkopf seine Radlerei. Und das Geschäft hat auch schon Tradition: 2022 feiert David mit seinem Team das 10-Jahre-Jubiläum. Das Publikum war ursprünglich auch hier studentisch, aber spätestens durch Covid hat sich das geändert: „Vor allem Erstsemestrige gibt es derzeit kaum hier, aber die Reparaturen sind stark gestiegen, wahrscheinlich auch, weil viele Leute derzeit nicht mit Öffis fahren wollen." David ist ein optimistischer Mensch und so hat er auch das „Seuchenjahr" 2021 gut überstanden: „Der Verkauf an Gebrauchträdern ist etwas zurückgegangen, aber wir merken stark, dass viele Leute ihre alten Radln aus dem Keller holen und wieder losstarten wollen. Dadurch ist bei uns unter dem Strich mehr Arbeit angefallen als früher. Unser Fokus ist sowieso das Reparieren und das Restaurieren."

Für 2022 erwartet David Bernkopf keine großen Änderungen: „Ich glaube, es wird gleich laufen, das Radfahren ist schon auf hohem Niveau. Wenn sie es schaffen, dass die Infrastruktur wirklich besser wird, dann nimmt der Radverkehr auch weiter zu." Im Gegensatz zum albanischen Ex-Profi Megjidi bezeichnet sich David als Alltagsradler, der so gut wie alle täglichen Wege das ganze Jahr über mit dem Zweirad erledigt. Und er ist leidenschaftlicher Sammler, der privat über 100 Vintage-Exemplare besitzt.

Darf man so einen überhaupt nach seinem Lieblingsradl fragen? Man darf. „Ein Puch Mistral Ultima in Grün aus dem Jahr 1981. Als Grazer muss man einfach Puch fahren. Und das Mistral Ultima war halt das Topmodell." In der Tat ist das ein wunderschönes Bike, das auch nach Jahrzehnten durch seine Eleganz besticht. Und wo ist David am liebsten unterwegs? „Gar nicht so einfach. Am liebsten wahrscheinlich am Murradweg nach Süden. In der Stadt nerven mich ehrlich gesagt viele Verbindungen, auf denen ich unterwegs bin. Das Glacis entlang: Zu schmal, vor allem jetzt mit den Lastenrädern. Bei mir ums Eck in der Mandellstraße staust du mit den Autos. Ich hoffe sehr, dass da zumindest ein Parkstreifen weg kommt oder eine Einbahn."

Eine Kundin ist gekommen und wir lassen David wieder seinen Geschäften nachgehen. Wer sehen will, wie schön Zweiradklassiker präsentiert werden können: Die sehenswerte Radlerei in TU-Nähe hat auch eine wunderbare Website:  www.dieradlerei.at

Text & Foto: Wolfgang Kühnelt

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